Im Normalfall eher uncool, wenn man zurück auf sein Hotelzimmer will, an der Rezeption aber gesagt bekommt, der Schlüssel sei schon weg: "Den hat gerade jemand abgeholt." Und das, obwohl alle vier Zimmerbewohner an besagter Rezeption stehen und ein dementsprechend dummes Gesicht machen. Zuletzt geschehen auf dem Festival im StadtHafen Rostock am 17. April 2010. Als sich der ahnungslose "Eindringling" dann als Alexander Lehmann entpuppte, war das kleine Missverständnis letztendlich ein schöner Zufall: Immerhin ergab sich für uns so die Möglichkeit, den Schöpfer des YouTube-Erfolgs "Du Bist Terrorist" für ein kleines Interview zu gewinnen.
Kurzer Steckbrief
Name: Alexander Lehmann
Alter: 25 Jahre
Wohnhaft: Hamm in Nordrhein-Westfalen
Website: www.alexanderlehmann.net
- INTERVIEW -
D-Movie: Alex, für Deine Art des Filmemachens bist Du nicht notwendigerweise mit einer Kamera unterwegs und scheuchst Schauspieler durch die Gegend - wie entsteht unter Deiner Feder ein Film?
Lehmann: Stimmt, meistens fängt alles mit einer groben Idee an. Die tippe ich in den Computer und entwerfe alles zunächst mit Worten. Anschließend folgen meistens ein paar Skizzen und ein Storyboard. Bevor die Animationsphase beginnt, wähle ich meistens die passende Musik oder lasse etwas einsprechen - damit ich Timing und Grundgerüst des Videos habe. Dann arbeite ich das Storyboard aus, welches dann in mehreren Schritten zu einem Animatic wird. Das wird dann nach und nach mit der finalen Animation ausgekleidet. Der Prozess dauert zwischen zwei Wochen und drei Jahren - je nach Länge und Komplexität. Manchmal mache ich es auch ganz anders, wie es eben gerade zur Aufgabe passt.
D-Movie: Mit über 1.200.000 Millionen Views auf YouTube ist "Du bist Terrorist" Dein bislang größter Erfolg. Der Kurzfilm setzt sich mit dem kontroversen Thema der Internetüberwachung auseinander. Bist Du generell politisch engagiert?
Lehmann: Wenn so wichtige Themen in den Medien so wenig Beachtung finden (oder so einseitig dargestellt werden, wie das Thema von "Rette Deine Freiheit"), dann motiviert mich das dazu, einen Film zu machen. Bei "Du bist Terrorist" habe ich mich bewusst für einen relativ minimalistischen Stil entschieden. Dieser hat meherere Vorteile: Es geht schnell und das Thema ist auch noch bei der Veröffentlichung des Films aktuell. Außerdem ist es einfach zu verstehen und klar visualisiert - was wichtig ist, wenn man gleichzeitig Infos mit dem Auge und den Ohren aufnehmen soll.
D-Movie: Auch wenn Deine Filme größtenteils am Computer entstehen, arbeitest Du nicht völlig allein - wer unterstützt oder fördert Dich in Deinem Schaffen?
Lehmann: Als Sprecher hat mich Ernst Walter Siemon unterstützt, der seit vielen Jahren als Sprachtalent arbeitet und sehr viel Erfahrung auf diesem Gebiet hat (siehe: www.ewsiemon.de). Wirkliche Filmförderung habe ich noch nicht bekommen. Aber Festivalpreise und Spenden helfen die nächsten Projekte zu finanzieren und motivieren, weiter zu machen.
D-Movie: Im September 2009 startete der von Peter Jackson produzierte "District 9" in den europäischen Kinos. Wie kam es zu Deiner Beteiligung an diesem Film?
Lehmann: Wie es dazu kam, dass ich an "District 9" mitgearbeitet habe, ist recht einfach zu erklären. Ich habe mich während meines Studiums überall auf der Welt mit meinem Demoreel (siehe: http://bit.ly/c8vQSC) als "Digital Artist" um ein Praktikum beworben. Image Engine in Kanada haben mich genommen - das Projekt, für das ich eingesetzt wurde, war zufällig "District 9".
D-Movie: Ich nehme an, als Digital Artist rennt man nicht am Set herum und schaut Neil Bloomkamp live über die Schulter. Wie sah Dein Arbeitsplatz in Kanada aus?
Lehmann: Am Set ist man als Digital Artist tatsächlich eher weniger - es sei denn, man nimmt Fotos für Referenzen oder Maße vom Set auf. Aber hauptsächlich befindet man sich in einem Büro. Im Falle von Image Engine ist es ein ganz normales Visual Effects Studio. Jeder hat einen Schreibtisch und einen Computer. Die typischen "Office Boxes" gibt's dort nicht - es war eigentlich sehr gemütlich. Gearbeitet wurde jeden Tag allerdings mehr als acht Stunden. Wenn sich Projekte dem Ende neigen, machen fast alle Überstunden - das ist leider recht normal in der Postproduktion.
D-Movie: Und wie geht's weiter? Hast Du ein Traumprojekt, das Du verwirklichen möchtest, oder einen Traumberuf, den Du ansteuerst?
Lehmann: Ein Traumprojekt habe ich nicht wirklich. Aber es wäre wohl ein Traum, wenn ich einfach so Filme weitermachen könnte, wie ich Lust habe und dann auch noch davon Leben könnte. Wie sich das Ganze dann schimpft, ist mir ziemlich egal.
(das Interview wurde geführt von David J. Lensing, April 2010)
