Ein Resümee über "Without Goodbye" von David J. Lensing.
Man könnte von einer Schnapsidee sprechen, denn nüchtern waren Rita und ich nicht mehr wirklich, als uns auf Marens Geburtstagsfete am 09. September 2007 der Gedanke in den benebelten Sinn kam, ein Filmprojekt auf die Beine zu stellen. Was die Schule anbelangte, herrschte bei uns bereits Endzeitstimmung und auf die Frage, wie man die Zeitspanne zwischen Abi und Studium, respektive Ausbildung, überbrücken könnte, erschien uns so ein Film als die beste Lösung. Denn es brächte nicht nur Zeitvertreib und Spaß mit sich, sondern letztendlich auch ein Andenken für alle Beteiligten, wenn sich unsere Wege später unausweichlich trennen würden.
Wie verabredet trafen Rita und ich uns also in den Herbstferien, um unser persönliches Ultimatum einzuhalten: Bis Ende der Ferien muss eine Idee stehen, wovon der Film handeln soll. Bei gemeinsamem Brainstorming bastelten wir einzelne Handlungsstränge aneinander, verwarfen manch vermeintlichen Geistesblitz und kamen selbst nach Stunden noch nicht so recht auf einen Nenner. Fest stand, dass wir eine Geschichte rund um eine Jugendclique unseres Alters erzählen wollten, die sich ebenfalls gerade im Zeitfenster zwischen zwei Lebensabschnitten herumtreibt. Jeder von uns nahm ein paar Gedanken mit nach Hause, strickte die aufgegriffenen Ideen etwas weiter und am 22. Oktober 2007 einigten wir uns dann auf diese Handlung:
Ein Angler findet am Ufer eines abgelegenen Teiches einen Rucksack, in dem sich neben einem Foto von vier Jugendlichen ein Umschlag voller Geld befindet. Als die Schwester besagten Anglers von dem Fund unterrichtet wird, stellt sie prompt Spekulationen darüber an, wie ein Rucksack voller Geld in der Pampa liegen bleiben kann. Parallel werden allerdings die tatsächlichen Ereignisse erzählt, die einen etwas anderen Verlauf nehmen, als in der fiktiven Version des Anglers und seiner Schwester.
Als am 21. November 2007 das Drehbuch fertig war, durchforsteten wir unseren gesamten Bekanntenkreis nach geeigneten Darstellern. Abgesehen von den Rahmenrollen des Anglers und seiner Schwester, die Rita und ich selbst übernahmen, gab es fünf Hauptrollen zu vergeben, die wir nach langem Hin und Her einigen uns bekannten Gesichtern zuordneten. Erst nach zweifelsfreier Einigung sprachen wir diese Personen dann auch an und bekamen fast auf Anhieb fünf Zusagen. Dieser „feste Kern“, die siebenköpfige Crew, traf sich zum ersten Mal am Samstag, den 15. Dezember 2007: Kevin Ramolla, Peter Üffink, Lucy B., Maren Buß und Sebastian Thieme. Wir nutzten den Abend, um erste Fragen zu klären und jedem eine Kopie des Skriptes zu überreichen.
Ein wichtiger Punkt: Das Equipment. Woher soll man, bei einem Budget von null Komma nix, die Kamera mit all dem technischen Zubehör sowie die zahlreichen Requisiten nehmen? Angefangen von einem Wackelelvis bis hin zu drei unterschiedlichen Fahrzeugen, die natürlich allesamt kompromisslos unseren Ansprüchen gerecht werden sollten. Am schwierigsten zu beschaffen war wohl der Oldtimer, mit dem unsere Jugendclique in ein paar Szenen durch die Gegend kurvt. In diesem Fall wandten wir uns an einen Bekannten, der ein offenkundiges Faible für Autos sowie genug Vertrauen in uns übermotivierte Schüler an den Tag legte. Mit dem ersten Drehtag im Januar 2008 – einigen unaufwändigen Szenen mit minimalen „Staraufgebot“ – war sozusagen der filmische Startschuss gesetzt und es galt, Prioritäten zwischen Dreh- und Schulbuch zu setzen. Sich abends an den Schreibtisch zu setzen, den Computer auszuschalten und stattdessen für das Abitur zu lernen, fiel nicht immer ganz leicht, zumal sich unsere Drehtermine mit der Erkenntnis, dass die Sommermonate durch Urlaubsausflüge und Praktika ja quasi ausgebucht waren, immer weiter nach vorne verschoben.
Zurück zur Technik: Zwar stand uns bereits ein kleiner Camcorder zur Verfügung, aber der wurde irgendwie ganz und gar nicht unseren vermeintlich größenwahnsinnigen Vorstellungen gerecht. Gedanken daran, eine Verleihfirma zu konsultieren, verwarfen wir ganz im Sinne unserer finanziellen Möglichkeiten und besannen uns stattdessen auf die wohl am nächsten liegende Connection: Die BBV-Videoabteilung. Weil ich eben eine kleine Kamera besitze, musste ich bisher selten auf das technische Equipment der „Neuen Medien“ zurückgreifen, konnte mich aber durchaus einiger adäquater Kameramodelle zwischen dem Kabelwust und den sympathisch-gelassenen Vollprofis hinter den Monitoren entsinnen. Und siehe da: Nach kurzer Erläuterung, was wir da Wildes planen, stellten uns besagte Vollprofis eine Canon XM2 zur Verfügung.
Unterschätzt haben Rita und ich die Besetzung der Nebenrollen. Viele standen zwar nicht mehr zur Wahl, aber diese waren dafür umso spezieller. Aus „Japsers Großvater“ machten wir nach erschöpfender Suche „Jaspers Großmutter“ und sprachen meine Nachbarin und Großtante Hedwig Lensing an. Die rüstige Dame (über 70 Jahre alt und noch immer lebenslustig bei der Sache) gab uns direkt eine Zusage und schien ganz aufgeregt über ihr erstes Mal vor der Kamera. Sorgfältig wie kein anderes Crew-Mitglied lernte sie ihren Text auswendig, was ihr anfangs nicht ganz leicht fiel, aber: „Ich bin vom Sternzeichen her Löwe, und Löwen kämpfen!“ Hedwig ließ sich für ihre Rolle als gut situierte Großmutter noch am Morgen ihres großen Auftritts (am 13. Februar 2008) professionell schminken und frisieren, ehe sie unseren Drehort aufsuchte: Das Wohnzimmer unserer neuen Nachbarn. Auf der Suche nach schicken Räumlichkeiten wurden wir bei dieser Familie fündig und bekamen ebenfalls eine Zusage. Der Trick ist: Einfach freundlich fragen.
Auf jeden der etwa zehn Drehtage einzeln einzugehen, wäre wohl zuviel des Guten. Zum letzten Mal trafen wir uns spät nachmittags am 12. Mai, um mit dem Oldtimer in die Pampa zu fahren und dort für zahlreiche Szenen die gesamte Nacht an einem Teich zu verbringen. Mit der großen Kamera vom BBV drehten wir unseren Film und meine kleine Kamera hielt das Geschehen „hinter den Kulissen“ fest. Kevin, Maren, Lucy und Pete reichten den handlichen Camcorder munter hin und her und trugen so genügend Material für ein unterhaltsames „Making Of“ zusammen. Am nächsten Morgen war schließlich das meiste im Kasten und unsere Darsteller hatten ihren Job (ganz ohne Gage, diese herzensguten Freunde :-)) erledigt. Für Rita und mich begann die Zeit der Nachbearbeitung. Regelmäßig setzen wir uns zusammen, um stundenlang das Material zu schneiden. Sowie es an der Zeit war, sich um die Filmmusik Gedanken zu machen, richteten wir uns wieder an unseren ehemaligen Mitschüler Thomas Feldmann, der uns mit all seinem musikalischen Know-How schon vorher bei einer musikalischen Szene, mit Rat und Tat zur Seite stand. Prompt erklärte er sich dazu bereicht, für uns einen Soundtrack zu komponieren. In Zusammenarbeit mit Kevin schuf er also zehn Songs, die uns schlichtweg begeisterten und perfekt für unseren Film geeignet waren.
Wann kam uns die Idee, das Ergebnis im Kino laufen zu lassen? Nicht ganz ohne Hintergedanken surfte ich Ende Mai auf der Internetseite des Kinodroms und wurde auf den Link „Rent a Cinema“ aufmerksam. Nach einigen Telefonaten hatten wir doch tatsächlich einen Kinosaal für unsere Filmpremiere am 21. Juni 2008 gemietet. Mit einem minimalen Unkostenbeitrag wollten wir die Mietkosten refinanzieren – obwohl unsere erste WL-Produktion finanziell als Desaster zu betrachten ist, schließlich hat er uns nicht nur Mühen und Zeit, sondern letztendlich auch ein bisschen Geld gekostet. Im Gegenzug bescherte uns das Projekt allerdings auch viele unterhaltsame Tage, Aktionen und den ersten eigenen Film auf DVD.
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